Dienstag, 20.1.1998

Hallo Ihr Lieben.

Viel neues gibt es nicht zu berichten, die Knöpfe nehmen immer noch keine Videofilmchen auf, aber sie geben immerhin schon entsprechende Statusmeldungen am Bildschirm aus. Ansonsten habe ich viel Kleinkram zu tun, ich habe z.B. das Datenprotokoll einer Maus analysiert, mit der wir die Drehräder realisieren wollen. Zane und unser "Zimmermann" Michael sind gerade losgefahren, um Sperrholzplatten für eine demonstrative Tischoberfläche zu besorgen, in die ich dann Knöpfchen einsetzen darf. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Am Wochenende habe ich mal etwas außerhalb des Studios gemacht, Samstag habe ich mich mit Annaliza bei einem Hackergrüppchen getroffen (die ihre Räume im gleichen Haus wie unser Studio hat) um den Film "Hacks" von Christine anzuschauen. Die Dokumentation kam ziemlich gut an, die Computerfreaks hatten natürlich was über die Computerszene erwartet und waren dann positiv überrascht, daß auch etwas über andere Leute und Projekte vorkam. Annaliza war auch ganz hingerissen und fast ein wenig neidisch, weil sie ihren Film "Unauthorized Access" schon allein schnittechnisch nicht ganz so gut bearbeitet fand. Lediglich diese ganze CeBIT-Sache war den Amis ein wenig unverständlich, solche Megamessen gibt es hier wohl in dieser Form nicht. Sonntag haben Trixie und ich dann versucht, einen Flohmarkt in Berkeley zu besuchen, aber in dem Augenblick, in dem wir aus der BART-Station am Flohmarkt kamen, setzte ein monsunartiger Platzregen ein und die Stände wurden sofort eingepackt (Siehe letzte Mail: Alles unvorbereitete Feiglinge). Überhaupt scheint diese Stadt auf langanhaltende Regenfälle nicht so gut vorbereitet zu sein, die O-Busse haben Ausfallraten von über 50% und bleiben dann einfach mit eingezogenen Stromabnehmern am Straßenrand liegen, Gullis werden zu Springbrunnen und einige Straßen fließen einfach unter den Autos weg. Wir haben dann den Rest des Tages eine Freundin von ihr in Oakland besucht und sind Einkaufen gegangen. In einem ziemlich billigen Schuhladen haben wir fast 2 Stunden verbracht, weil vor uns Familien mit 30 bis 50 Paar Schuhen an der einzigen Kasse anstanden. Irre.

Letzte Woche habe ich einen Virus auf meinem Computer entdeckt, den ich mir offenbar hier von den anderen Macs eingfangen hatte, bei der Dekontaminationsaktion habe den Virus dann sogar auf einem Mac, der seit fast einem Jahr nicht mehr angeschaltet war und den ich als Printserver brauchte, entdeckt und ausradiert. Zum Glück geht das ja bei Computern schnell und schmerzlos, nicht wie bei den technisch unterlegenen Menschen, bei denen das Tage bis Monate dauert und machmal sogar völlig unheilbar ist.

Donnerstag hat Liz ein Geburtstagdinner veranstaltet. Der vorige Satz ist insofern falsch, als daß sie sich jetzt bei ihrem Mittelnamen nennen läßt, der Ryan lauet. Ryan also hatte Dienstag Geburtstag und so bin ich dann am Donnerstag dort aufgelaufen. Lutzka führte ein entzückendes 50er-Jahre Hausfrauenkostüm vor und die versammelte Runde (etwas etabliertere Personen als ich sonst so um mich habe) hat Ryan ob ihres Wandels befragt, schließlich ist das ja nicht unbedingt ein Frauenname. Trotz vielem Rotwein zur Lasagne war aber nicht mehr aus ihr rauszubekommen, als daß sie das schon länger überlegt hatte und den Namen lieber mag. Was natürlich auch ein Grund ist, aber vielleicht gibt es doch andere Gründe. Ich bin immer so neugierig, entschuldige, aber eventuell magst du dich ja hier näher dazu äussern, Ryan? 8-) Fotos von der Party gibt es dann, sobald ich die Abzüge bekommen und sie eingescannt habe (ja, ich Knipse wieder auf Silberjodidbasis).

  Gehabt euch Wohl und Frauke einen herzlichen Glückwunsch (falls Daniel Sabines E-Mail mal repariert kriegt, ist ja schon peinlich...),
    Christian.

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